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Blasenkrebs

WasistBlasenkrebs?

Der Blasenkrebs oder auch Blasentumor bzw. Blasenkarzinom genannt ist eine bösartige Erkrankung, die von der Harnblase ausgeht. In Deutschland erkranken jährlich ca. 16000 Menschen neu an Blasenkrebs. Damit ist er die fünfthäufigste bösartige Tumorerkrankung, wobei er bei Männern die vierthäufigste nach Prostata-, Darm- und Margenkrebs ist. Dagegen ist Blasenkrebs bei Frauen nur die zehnthäufigste Krebserkrankung. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt zwischen 65 bis 70 Jahren. Eine Erkrankung an Blasenkrebs im Alter unter 50 Jahren ist selten. Demgegenüber liegt der Zeitpunkt der Diagnose bei Männern mit durchschnittlich 73 Jahren und bei Frauen mit durchschnittlich 77Jahren deutlich über dem Erkrankungsalter.

Der Blasenkrebs kann in drei Kategorien unterteilt werden, die je nach Ausprägungen unterschieden werden.

  • Die oberflächlichen Tumore, die ca 75 % der Neuerkrankungen ausmachen. Diese beschränken sich meistens auf die Schleimhaut und die darunter liegende Bindegewebsschicht. 
  • Die lokal fortgeschrittenen Tumore, die ca. 25 % der Fälle ausmachen. Diese sind bereits in tiefere Schichten der Blasenwand, wie der Muskulatur, vorgedrungen.
  • Die Tumore bei denen sich bereits Metastasen gebildet haben.  

Die Heilungschancen sind, wie bei vielen anderen Krebserkrankungen um so besser, je eher der Blasenkrebs erkannt und behandelt wird.

DieAnatomiederBlase

Die Blase bildet, zusammen mit der Harnröhre, den unteren Abschnitt (Urethra) des Systems der ableitenden Harnwege (Urogenitaltrakt). Die Nieren und die Harnleiter bilden den oberen Abschnitt, den Ureter. Der Urogenitaltrakt ist für das Sammeln und den (Ab-)Transport des Urins, also die Entsorgung der flüssigen Bestandteile zuständig. Die Flüssigkeit gelangt dabei von der Niere über das Nierenbecken durch den Harnleiter in die Blase. Die Flüssigkeit wird dort so lange gesammelt, bis sie über die Harnröhre kontrolliert ausgeschieden wird. Den Abfluss des Urins kontrolliert ein Schließmuskel.

Anatomisch ist die Harnblase ein dehnbares und muskulöses Hohlorgan, das auf dem Beckenboden aufliegt. Die Blasenwand setzt sich aus drei Schichten  zusammen. Die äußere besteht aus Nerven-, Lymph- und Blutgefäßen. Die mittlere aus Muskelgewebe und die innere aus einer Schleimhaut, die die Blase vor dem Urin schützt. Die wichtigste Eigenschaft der Blase ist die Flexibilität der Blasenwand. Sie kann beim Sammeln von Flüssigkeit größer werden und bis zu 300 ml Flüssigkeit aufnehmen. Demgegenüber kann sie sich beim Ablassen der Flüssigkeit wieder verkleinern.

UrsachenundRisikofaktorenfürBlasenkrebs

Die Entstehung von Blasenkrebs wird durch drei unterschiedliche Einflussfaktoren begünstigt. Der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Blasenkrebs ist das Rauchen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen besteht für Raucher ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko an einem Blasenkrebskarzinom zu erkranken. Das Risiko erhöht sich weiter, je mehr der Konsum von Tabak ansteigt. Das Passivrauchen gilt in diesem Zusammenhang ebenso als Risikofaktor, da auch der inhalierte Zigarettenrauch krebserregende Substanzen erhält. Diese werden über das Blut aufgenommen, über die Nieren herausgefiltert und gelangen mit dem Urin in die Blase. 

Neben dem Rauchen steht die Arbeit mit bestimmten chemischen Substanzen im Verdacht Blasenkrebs auszulösen. Diese chemischen Stoffe, die sogenannten aromatischen Amine, die auch in Tabakrauch vorkommen, gelten als ein möglicher Auslöser einer bösartigen Tumorerkrankung. Bis heute sind über 50 chemischen Substanzen bekannt, denen eine schädigende Wirkung zugesprochen bzw. von denen angenommen wird, dass sie mit der Entstehung von Blasenkrebs zusammenhängen. Diese Stoffe werden vor allem in der chemischen Erzeugung sowie in der Farbstoff-, Gummi- und Anilinindustrie verwendet. Außerdem kommen sie in der pharmazeutischen und Druckindustrie sowie im Arbeitsalltag von Frisuren als auch bei Zahntechnikern vor. Blasenkrebs gilt arbeitsrechtlich als Berufskrankheit, soweit der Erkrankte nachweisen kann, dass er bei der Ausübung seiner Tätigkeit mit den risikobehafteten Substanzen in Berührung gekommen ist. 

Darüber hinaus gelten chronische Schädigungen der Blasenschleimheut, die beispielsweise durch eine chronische Blasenentzündung hervorgerufen werden, als Auslöser für die Entstehung von Blasenkrebs. Daneben erhöhen das Tragen eines Dauerkatheters und/oder Restharns das Risiko an einem Blasenkarzinom zu erkranken. Ein weiterer Risikofaktor ist die familiäre Prävalenz. Eine Häufung der Blasenkrebserkrankung innerhalb der Familie vergrößert das Risiko ebenfalls zu erkranken. 

Symptome

Bei Blasenkrebs gibt es keine spezifischen Symptome, die eindeutig auf einen Tumor hinweisen. Ein Warnsignal kann allerdings ein rötlich bis bräunlich verfärbter Urin sein. Diese Verfärbung entsteht durch geringe Mengen von Blut im Urin, die allerdings auch bei z.B. einer Blasenentzündung auftreten können. Ebenso muss der Urin bei einem Blasentumor nicht dauerhaft Blut aufweisen, manchmal verschwindet es nach einiger trotz Weiterbestehen der Erkrankung einfach wieder.

Ein weiteres mögliches Symptom ist ein verstärkter Harndrang, bei dem nur geringe Mengen abgegeben werden können und häufig auch Schmerzen auftreten. Diese Beschwerden beim Wasserlassen können jedoch auch andere Ursachen haben.

Meist erst im fortgeschrittenen Stadium können auch Schmerzen in der Nierengegend oder im Rücken auf Blasenkrebs hinweisen. Ebenso sollten chronisch auftretende Blasenentzündungen durch einen Spezialisten abgeklärt werden, besonders wenn Behandlungen mit Antibiotika keinen Erfolg zeigen.

UntersuchungundDiagnose

Bei einem Verdacht auf Blasenkrebs sollten Sie einen Urologen kontaktieren. Dieser wird zuerst eine körperliche Untersuchung durchführen und Ihren Urin testen. Hierbei lassen sich bereits kleinste Mengen von Blut im Urin nachweisen, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind. 

Weitere Aufschlüsse können Röntgenuntersuchungen des gesamten Harntrakts (Urografie) und ein Ultraschall des Bauches (Sonografie), der den Zustand von Harnleiter, Blase, Nieren und Nierenbecken aufzeigt, geben.

Erhärtet sich dabei der Verdacht auf Blasenkrebs, folgt eine Spiegelung der Harnröhre und Blase (Urethrozystoskopie). Diese Untersuchung erfolgt unter Lokal- oder Vollnarkose. Der Urologe entnimmt dabei gleich auch Gewebeproben der verdächtigen Bereiche, um sie anschließen im Labor zu untersuchen.

Hat sich der Verdacht bestätigt und die Diagnose lautet Blasenkrebs, folgen weitere Untersuchungen, bei denen der Fortschritt der Erkrankung und mögliche Metastasen aufgezeigt werden. Grob kann das Blasenkarzinom ein zwei Formen aufgeteilt werden:

  • Oberflächliches Karzinom
    Meist das Frühstadium, bei dem der Tumor lokal begrenzt ist und die oberste Schicht der Schleimhaut betrifft bzw. in das unter der Schleimhaut gelegene Bindegewebe gewandert ist
     
  • Muskelinvasives Karzinom
    Der Tumor geht bis in die Muskulatur hinein oder breitet sich von dort auf das umliegende Fettgewebe aus. Im weiteren Verlauf kann der Krebs auch Nachbarorgane befallen

Therapie

Die Therapie von Blasenkrebs hängt maßgeblich von der Größe des Tumors, seinem Sitz, seiner Bösartigkeit, seiner Ausbreitung und seiner Wachstumsgeschwindigkeit ab. In den meisten Fällen kommen während der Krebstherapie Spezialisten verschiedener Fachrichtungen zusammen, um ein Team aus z.B. Chirurgen, Onkologen, Urologen und Psychologen zu bilden. Je nach dem Stadium der Blasenkrebs-Erkrankung sind folgende Behandlungsformen möglich:

Endoskopische Operation (TUR) – den Tumor entfernen
Bei etwa 70 Prozent der Betroffenen handelt es sich um einen oberflächlichen Tumor. Das heißt, der Blasenkrebs liegt nur in der Blasenschleimhaut und hat noch nicht die Blasenmuskulatur erreicht. Dann lässt er sich bei der Blasenspiegelung mithilfe des Zystoskops entfernen. Der Blasentumor wird durch eine Elektroschlinge abgetragen. Nach der Operation erfolgt eine feingewebliche Untersuchung. Sie zeigt, ob der Tumor „im Gesunden“, also vollständig entfernt wurde.

Örtliche Chemotherapie nach TUR: Um ein erneutes Auftreten des Blasenkrebses zu verhindern, erhalten manche Patienten direkt im Anschluss an die Operation vorbeugend Medikamente gegen den Krebs (sogenannte Chemotherapeutika). Der Arzt spült sie im Rahmen der Zystoskopie direkt in die Blase ein (Instillationstherapie, intravesikale Chemotherapie). Eine Chemotherapie erhalten Patienten mit einem niedrigen bis mittleren Rückfallrisiko.

Örtliche Immuntherapie nach TUR: Bei Patienten mit hohem Rückfallrisiko nutzen Ärzte manchmal auch den Tuberkuloseimpfstoff BCG (Bacillus Calmette-Guérin), der ebenfalls direkt in die Blase eingebracht wird. Der Impfstoff löst im Körper eine intensive Immunreaktion aus, die auch die Tumorzellen bekämpfen soll. Die Immuntherapie sollte frühestens zwei Wochen nach der Operation beginnen.

Die medikamentöse Nachbehandlung des Blasenkrebses dauert in der Regel sechs bis acht Wochen und wird meist einmal wöchentlich durchgeführt (Induktionsphase). Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert etwa zwei Stunden. Anschließend können die Patienten wieder nach Hause gehen. In manchen Fällen schließt sich an diese Induktionsphase eine sogenannte Erhaltungsphase an, die mehrere Monate bis Jahre dauern kann. In diesem Zeitraum bekommt der Betroffene die Medikamente ebenfalls ambulant einmal monatlich über einen Katheter in die Blase verabreicht.

Blasenentfernung (Zystektomie)
Bei manchen Patienten ist der Blasenkrebs tiefer in die Wand eingewachsen. Hier ist ein größerer operativer Eingriff erforderlich, bei dem die Harnblase chirurgisch teilweise oder vollständig entfernt wird (Zystektomie). Zusätzlich werden die umgebenden Lymphknoten entfernt. Dies verringert die Gefahr, dass sich die Erkrankung über möglicherweise befallene Lymphknoten erneut ausbreitet. Bei Männern werden zugleich Prostata und Samenblasen entfernt, bei Tumorbefall der Harnröhre auch noch diese. Bei Frauen mit fortgeschrittenem Blasenkrebs werden die Gebärmutter, die Eierstöcke, ein Teil der Scheidenwand und meistens die Harnröhre entfernt.

Ist eine komplette Entfernung der Harnblase erforderlich, legt der Arzt im Anschluss einen künstlichen Ausgang an, über den der Urin nach außen abläuft. Die einfachste Form ist die Einpflanzung der beiden Harnleiter in ein ausgeschaltetes, etwa 15 Zentimeter langes Dünn- oder Dickdarmstück. Das offene Ende dieses Darmstücks wird über die Bauchhaut ausgeleitet (Ileum conduit). Da bei dieser Form der Harnableitung immer etwas Urin aus der Bauchöffnung läuft, muss der Betroffene ständig einen Urinbeutel tragen.

Eine andere Möglichkeit ist es, eine "neue" Blase (Neoblase) zu formen. Hierbei wird aus einem ausgeschalteten Darmteil ein Sammelbeutel gebildet, der an die Harnröhre angeschlossen wird. Voraussetzung dafür ist, dass der Übergang von Blase zur Harnröhre in der feingeweblichen Untersuchung frei von bösartigen Zellen war. Ansonsten muss auch die Harnröhre mit entfernt werden. Der Vorteil dieser Variante ist, dass das Wasserlassen auf ganz normalem Weg möglich ist. Allerdings haben die Patienten keinen Harndrang. Die Blase muss in regelmäßigen Abständen durch Pressen entleert werden, je nach Flüssigkeitsaufnahme alle drei bis vier Stunden oder auch in etwas längeren Abständen.
Sollte all das nicht möglich sein, werden die beiden Harnleiter von den Nierenbecken aus mit dem letzten Teil des Dickdarms verbunden (Ureterosigmoidostomie). Der Urin läuft dann während des Stuhlgangs ab.

Chemotherapie
Manchmal ist eine Entfernung der Blase nicht möglich oder der Patient lehnt den Eingriff ab - hier kommt eine Chemotherapie infrage, die den gesamten Körper betrifft und Tumorzellen ausschalten soll (systemische Therapie).

Eine Chemotherapie hilft bei Blasenkrebs auch, wenn die Geschwulst schon zu weit fortgeschritten ist (zum Beispiel bei Ausbreitung in die Lymphknoten der Bauchhöhle oder in andere Organe). Die Therapie lindert die Beschwerden und wirkt sich lebensverlängernd aus.

Strahlentherapie
Ein Blasenkarzinom ist strahlenempfindlich – die Tumorzellen lassen sich oft durch eine Bestrahlung völlig vernichten. Die Strahlenbehandlung ist eine Alternative zur Blasenentfernung – so lässt sich die Blase manchmal erhalten. Meist wird die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert. Die eingesetzten Medikamente (Zytostatika) sollen den Tumor noch empfindlicher gegenüber radioaktiven Strahlen machen. Mediziner sprechen von Radiochemotherapie. Die Bestrahlung dauert oft mehrere Wochen und erfolgt meist täglich für wenige Minuten.

Wenn Sie weitere Fragen haben oder einen Untersuchungstermin wünschen, sprechen Sie uns gerne an.

Medizinische Hochschule Hannover (MHH) | Klinik für Urologie und Urologische Onkologie
Carl-Neuberg-Str. 1 | 30625 Hannover
Tel: +49 511-532 3647 | anmeldung.urologie@mh-hannover.de

Weitere Informationen finden Sie hier: www.mhh-urologie.de

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