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Harninkontinenz

Als Harninkontinenz wird jegliche Art des unwillkürlichen Urinverlustes definiert; Stärke, Häufigkeit, Situation beim Urinverlust und Ausmaß der Einschränkung der Lebensqualität bleiben in der Definition unberücksichtigt. Harninkontinenz ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das auf verschiedenartige Schädigungen im Harntrakt, Beckenboden oder Nervensystem hindeutet. Aus diesem Grund sollte die Detektion der auslösenden Ursache primäres Ziel der Diagnostik und die Beseitigung der auslösenden Ursache primäres Ziel der Therapie sein. Es existieren fünf verschiedene Inkontinenzarten, die als

1. Belastungsinkontinenz (alte Terminologie: Stressharninkontinenz),
2. nicht-neurogene Dranginkontinenz,
3. neurogene Dranginkontinenz (alte Terminologie: Reflexinkontinenz),
4. Inkontinenz bei chronischer Retention (alte Terminologie: Überlaufinkontinenz) und
5. extraurethrale Inkontinenz

bezeichnet werden. Die Inkontinenzarten können alleine oder kombiniert, vorübergehend oder dauerhaft auftreten. Im klinischen Alltag dominieren die dauerhaften Formen der Belastungs- und nichtneurogenen Dranginkontinenz sowie deren Kombination (Mischinkontinenz). Epidemiologische Studien zeigten bei beiden Geschlechtern eine hohe Prävalenz. Vor dem 60. Lebensjahr sind etwa 28 Prozent der Frauen und 4 Prozent der Männer von Harninkontinenz betroffen, unter den mehr als 60-Jährigen etwa 35 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer. Bei Frauen liegt am häufigsten eine Belastungsinkontinenz und bei Männern am häufigsten eine nicht-neurogene Dranginkontinenz vor.

 

Belastungsinkontinenz

[%]

Dranginkontinenz

[%]

Mischinkontinenz

[%]

Frauen

50

20

30

Männer

10

80

10

Tab. 1:   Prävalenzen der drei am häufigsten auftretenden Inkontinenzarten bei Frauen und Männern

Bei Belastungsinkontinenz liegt ein insuffizienter Harnröhrenverschluss vor, der zum Urinverlust infolge passiver Druckerhöhung in der Blase (z.B. bei Husten, Nießen oder Lachen) führt.

Der Dranginkontinenz liegen unwillkürliche Kontraktionen des Blasenmuskels (Detrusor) zugrunde. Diese Detrusor-Überaktivität führt zur Druckerhöhung in der Harnblase und aktiven Austreibung des Urins über die Harnröhre. Liegt keine greifbare Ursache vor, wird diese Inkontinenzform als primäre oder idiopathische Inkontinenz bezeichnet. Ist hingegen eine unmittelbar auslösende Ursache nachweisbar, spricht man von sekundärer oder symptomatischer Dranginkontinenz.

Eine Sonderform der sekundären Dranginkontinenz ist die neurogene Dranginkontinenz, bei der die Ursache der Detrusor-Überaktivität auf einer Schädigung des zentralen Nervensystems (Rückenmark und/oder Gehirn) mit mangelhafter Unterdrückung der Blasenaktivität beruht. Häufig liegt bei neurogener Blasenfehlfunktion auch gleichzeitig eine Dysfunktion des Blasenschließmuskels (Sphinkter) vor. Während bei allen genannten Inkontinenzarten der Urinverlust über die Harnröhre erfolgt, geschieht dies bei extraurethraler Inkontinenz über einen Gang außerhalb der Harnröhre, der nicht durch einen Sphinkter verschlossen wird (z. B. Blasen-Scheiden-Fistel).