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GrundprinzipienderDiagnostik

Die Diagnostik sollte das Vorliegen einer Harninkontinenz verifizieren, deren Schweregrad, Art und Ursache ermitteln sowie alle Ursachen einer vorübergehenden Inkontinenz herausfiltern. Die Auswahl der Untersuchungsmethoden sollte sich an den Erfordernissen einer sicheren Diagnostik orientieren. Angewendet werden folgende Untersuchungen:

  • Allgemein-, Miktions- und Inkontinenzanamnese: Ein Urinverlust beim Husten, Nießen, Lachen oder bei körperlicher Aktivität lässt am ehesten auf eine Belastungsinkontinenz schließen. Ein Urinverlust mit Harndrang, häufig auch in ruhender Position oder bei laufendem Wasser, lässt eher eine Dranginkontinenz vermuten. Abweichungen zwischen anamnestisch vermuteten und apparativ diagnostizierten Inkontinenzarten treten oft auf – vor allem dann, wenn Kombinationen von Inkontinenzarten vorliegen. Etwa jede dritte Inkontinenz-Patientin wir nach anamnestischer Evaluation falsch beurteilt.
  • Medikamentenanamnese: Medikamente, die direkt oder indirekt das vegetative Nervensystem beeinflussen, können die Funktion des Detrusors oder der Harnröhre beeinflussen und Inkontinenz verursachen. In manchen Fällen lässt sich durch Medikamentenwechsel oder Änderung der Dosis ein vergleichbarer therapeutischer Effekt mit geringeren Nebenwirkungen auf den Harntrakt erreichen.
  • Miktions- und Inkontinenztagebücher werden zur objektiven Erfassung der Miktionsfrequenz und Harninkontinenz eingesetzt und dienen auch zur Kontrolle einer Therapie.
  • Neben der allgemeinen körperlichen Untersuchung sollten auch Unterbauch und Genitale untersucht werden. Abweichungen bei der neurologischen Untersuchung sollten Anlass zu einer weiterführenden neurologischen Diagnostik sein.
  • Vor jeder umfangreichen Diagnostik sollte eine Harnwegsinfektion ausgeschlossen werden. Nur wenn Inkontinenz trotz Therapie der Infektion persistiert, sollte eine weiterführende Abklärung begonnen werden.
  • Da Harninkontinenz oft durch eine Erkrankung der Harnblase verursacht wird, sollte diese auch immer im gefüllten  Zustand sonographisch untersucht werden. So offenbaren sich Blasensteine, Fremdkörper oder Blasentumoren. Die sonographische Untersuchung des oberen Harntraktes bei harninkontinenten Patienten dient dem Ausschluss einer Harnstauung, die vor allem bei Überlaufinkontinenz oder neurogener Blasenfunktionsstörung zu beobachten ist, sowie einer Urolithiasis, die infolge einer bakteriellen Besiedelung des Steines eine Harnwegsinfektion unterhalten kann.
  • Bei Frauen werden neben der Abdominalsonographie auch die Perineal-, Introitus-, Vaginal- oder Rektalsonographie eingesetzt, um die Position des Blasenhalses sowie Form und Lage der Harnröhre in Relation zum Blasenhals darzustellen. Mittels transvaginaler Sonographie kann bei entleerter  Blase (Füllung 0–50 ml) die Dicke der Blasenwand gemessen werden; ein Wert von mehr als 5 mm deutet mit hinreichender Sicherheit auf eine Detrusor-Überaktivität hin.
  • Klinische Inkontinenz-Tests werden zur Beantwortung spezieller Fragen angewendet. Der Vorlagen (Pad)-Test quantifiziert objektiv die Menge des Urinverlustes. Der Hustentest wird zur Diagnostik der Inkontinenzart eingesetzt. Bei Belastungsinkontinenz tritt Urinverlust beim Husten auf, bei Dranginkontinenz unabhängig vom Husten.
  • Die graphische Auftragung des Harnstrahls (Uroflowmetrie) und Restharnmessung sind orientierende Untersuchungen zur Blasenentleerung und sollten bei allen Betroffenen initial zum Ausschluss einer Blasenentleerungsstörung durchgeführt werden.
  • Allein mit der urodynamischen Untersuchung (Blasendruckmessung) ist es möglich, die Inkontinenzart zuverlässig zu diagnostizieren. Deshalb sollte man auch vor jeder operativen Inkontinenztherapie nicht nur aus forensischen Gründen die Inkontinenzart urodynamisch verifizieren.
  • Liegt eine einfache Belastungs-, Drang- oder Mischharninkontinenz vor, sind Röntgenuntersuchungen nicht notwendig.