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BelastungsinkontinenzdesMannes

Die Belastungsinkontinenz tritt bei gestörter Funktion des Schließmuskels der Harnblase (des Blasensphinkters) auf. Bei der überwiegenden Mehrheit der Männer entsteht die Belastungsinkontinenz als Folge einer Operation am Harntrakt oder im Unterleib (z. B. totale Entfernung der Prostata oder des Mastdarmes bei Krebs), Bestrahlung der Beckenorgane, seltener nach Unfällen mit Beckenverletzungen oder als Folge von Nervenerkrankungen.

Die Harninkontinenz lässt sie sich häufig durch die konsequente Durchführung der konservativen Therapie deutlich verbessern. Besteht die Inkontinenz trotz der Therapie noch 12 Monate nach dem Auftreten (oder nach der durchgeführten Operation) fort, ist eine operative Korrektur zu empfehlen.

Künstlicher Schließmuskel
Künstlicher Schließmuskel (artifizielles Sphinktersystems AMS-800®) Quelle: Fa. American Medical Systems

Die Implantation eines artifiziellen (künstlichen) Schließmuskels, s.g. „Scott-Sphinkter“ (AMS-800®, Fa. AMS) gilt als Goldstandard der operativen Therapie der Belastungsinkontinenz des Mannes. Der Verschluss der Harnröhre erfolgt durch eine mit steriler Lösung gefüllte Manschette („Cuff“), die im Bereich des hinteren Harnröhrenabschnittes (oder in speziellen Fällen auch in Bereich des Blasenausganges) über einen kurzen Schnitt angelegt wird. Nach der Wahrnehmung des Harndranges bei voller Blase kann der Patient die Manschette durch mehrfaches schnelles Drücken auf eine Pumpe entleeren, die im Hodensack gelegt wird. Hierbei wird die Flüssigkeit vorübergehend in einen Ballon abgepumpt, der durch einen winzigen Hautschnitt im Unterbauch in der Bachhöhle eingelegt wird. Während der folgenden 2 – 3 Minuten bleibt die Harnröhre offen und die Harnblase kann normal entleert werden. Danach wird die Manschette aus dem Ballon automatisch wieder gefüllt, die Harnröhre wird wasserdicht verschlossen. Das Sphinktersystem AM-800 ist sowohl bei leichter als auch bei ausgeprägter („totaler“) Belastungsinkontinenz hoch effektiv.

AdVance System
AdVance System® Quelle: Fa. American Medical Systems

In den letzen Jahren wurde eine alternative schonende (minimal-invasive) Operationsmethode entwickelt. Bei diesem Verfahren wird ein künstliches (synthetisches) Bandes („AdVance“®, Fa. AMS) unter die Harnröhre über einen kleinen Dammschnitt angelegt. Voraussetzung für die Operation ist eine gering bis mäßig ausgeprägte Harninkontinenz (kein Urinverlust nachts) trotz einer konsequent durchgeführten Beckenbodengymnastik sowie eine erhaltene Restfunktion des Schließmuskels. Zur Beurteilung der Funktion des Schließmuskels werden vor der Operation spezielle Untersuchungen durchgeführt.

Beim Remeex-System (MRS®-System, Fa. Neomedic) handelt es sich ähnlich wie beim AdVance® - Band um eine schonende Operationstechnik mit Implantation eines synthetischen Bandes unter der Harnröhre. Allerdings erlaubt das  System eine Nachjustierung des Bandes mit Hilfe eines s.g. Varitensors, der unter der Haut im Unterbauch implantiert wird. Somit lässt sich die Spannung des Bandes einfach korrigieren. Dieses Verfahren kann als Alternative zum künstlichen Schließmuskelsystem AMS-800 bei Patienten mit leichter oder mäßiger Belastungsinkontinenz mit erhaltener willkürlichen Sphinkteraktivität angewandt werden.

Bei Defekten des Schließmuskels (wie z.B. nach einer Ausschälung der Prostata durch die Harnröhre) oder bei Patienten mit Belastungsinkontinenz, die sich keine der o.g. Kontinenz-Operationen wünschen, kann eine Unterspritzung des Blasenschließmuskels (z.B. mit „Deflux“® oder „Bulkamid“®) als Behandlungsversuch durchgeführt werden. Die Operation erfolgt durch die Harnröhre, im Rahmen einer Harnröhrenspiegelung. Sie ist schonend, gut verträglich und kommt auch bei älteren Patienten in Frage. Die Effektivität der Unterspritzung sowie die Effektdauer variiert allerdings  sehr stark. Darum gehört diese Methode zu den experimentellen Therapieverfahen.

DranginkontinenzdesMannes

Die Therapie der Dranginkontinenz kann beim Mann zuerst konservativ (ohne Operation) erfolgen. Hierfür kommen Umstellung der Trinkgewohnheiten, Physiotherapie (Kneifübungen, Elektrostimulation des Beckenbodens) sowie Medikamente (z.B.Anticholinergika, Prostatamittel) zum Einsatz. Von einer Selbstbehandlung würden wir Ihnen dringend abraten, da die Therapieansätze bei scheinbar gleichen Krankheitszeichen häufig sehr unterschiedlich sind. Dies hängt stark mit der Ursache der Dranginkontinenz zusammen.

Beim Versagen der Standardtherapie können wir andere Behandlungsverfahren wie das Einspritzen von Botulinumtoxin (z. B. „Botox“®) in die Harnblase, Stimulation der Kreuzbeinnerven (sakrale Neuromodulationstherapie – „Blasenschrittmacher“) oder die neuesten Therapiemethoden im Rahmen von kontrollierten Studien anbieten.