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Nierenkrebs

Nierenkrebs ist eine krankhafte Veränderung des Nierengewebes

DieNieren

Die Nieren sind eines der wichtigsten Stoffwechselorgane des Körpers. Sie entgiften den Körper, indem sie die unterschiedlichsten Schadstoffe aus dem Blut filtern und über das Harnsystem abführen. Neben der Funktion der Ausscheidung von Endprodukten des Stoffwechsels sind die Nieren für die Regulation des Wasserhaushaltes und damit auch für die langfristige Regulation des Blutdrucks verantwortlich.

Die Filtrierleistung dieses Organs ist beeindruckend. Es durchfließen die Nieren täglich ca. 1800 Liter Blut, aus denen 180 Liter Primärharn produziert wird, welcher am Ende auf weniger als 2 Liter Endharn konzentriert wird. Die Niere besitzt die Form einer Bohne, an deren Außenseite die Nebenniere aufsitzt. Umgeben ist sie von einem Fettgewebskörper aus Bauchfett. 

BeschreibungundHäufigkeitvonNierenkrebs

Die Liste der unterschiedlichen krankhaften Veränderungen des Nierengewebes ist lang. Das Nierenzellkarzinom stellt in der Liste aller bösartigen Tumore mit 1 bis 2 % zwar nur einen rudimentären Anteil dar, ist aber mit ca. 90 % die häufigste bösartige Tumorerkrankung der Niere. In der Bundesrepublik Deutschland erkranken jährlich etwa 10000 Männer und 6000 Frauen neu an Nierenkrebs. Demnach sind Männer 1,5-mal so häufig betroffen wie Frauen. Die Rate der Nierenkrebs-Erkrankungen steigt jährlich weltweit um ca. zwei Prozent an.

Das Risiko an einem Nierenzellkarzinom zu erkranken ist im fünften und sechsten Lebensjahrzehnt am größten. Die Gefahr einen Tumor in sich zu tragen ohne es zu wissen ist relativ groß, da er in vielen Fällen erst spät Symptome verursacht. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass der Krebs erst im Alter zwischen 60 und 70 Jahren entdeckt bzw. diagnostiziert wird. Dabei ist mit 96,5 %-iger Wahrscheinlichkeit nur eine Niere betroffen.

UrsachenundRisikofaktorenvonNierenkrebs

Allgemein entsteht Nierenkrebs durch eine bösartige Erkrankung und Zellveränderung der Niere. In dem Fall, dass sich der Tumor aus Zellen des Nierengewebes entwickelt spricht der Fachmediziner von einem Nierenzellkarzinom. Die Ursachen für die Veränderung des Gewebes sind bisher nicht eindeutig beschrieben und erforscht. Es existieren jedoch mehrere Risikofaktoren, die für die Entstehung des Tumors mit verantwortlich gemacht werden.

Es ist bekannt, dass sowohl chemische, physikalische und virale als auch hormonelle Mechanismen zur Bildung beitragen. Dabei spielen Umwelteinflüsse scheinbar eine übergeordnete Rolle. Ein weiterer Einflussfaktor, der bei bis zu vier Prozent der Betroffenen nachgewiesen werden konnte, ist die familiäre und damit genetische Veranlagung. Darüber hinaus konnten weitere Faktoren, die einen Einfluss auf das Krankheitsrisiko für Nierenkrebs haben, gefunden werden. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Steigendes Lebensalter
  • Übergewicht
  • Fettreiche und faserreiche Ernährung
  • Hoher Alkoholkonsum
  • Bluthochdruck
  • Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
  • Rauchen
  • Übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln 

Gegenüber Nichtrauchern verdoppelt der Konsum von Tabak das Risiko an Nierenkrebs zu erkranken. 

SymptomedesNierenkrebs

Die Tatsache, dass Nierenkrebs erst sehr spät Beschwerden verursacht, erschwert eine frühzeitige Diagnose und Behandlung. Zudem existieren noch keine spezifischen Tumormarker, die eine gezielte Vorsorgeuntersuchung ermöglichen. Es wird davon ausgegangen das ca. 50 % der Karzinome bei Routineuntersuchungen, wie Ultraschalluntersuchungen, zufällig entdeckt werden. Dies hat zu einer tendenziellen Häufung von nicht symptomatischen Tumoren in den Nieren geführt, welches den erfreulichen Nebeneffekt hat, dass die Diagnose in einem frühen Stadium zu einem verbesserten Heilungserfolg geführt hat. 

Die Symptome eines Nierenkrebs treten relativ unspezifisch auf und erst dann, wenn der Nierentumor bereits sehr groß ist. In diesem Stadium besteht die Gefahr darin, dass sich schon Tochtergeschwulste gebildet haben. Die Ursache der Beschwerden kann aber auch anderen Erkrankungen zugewiesen werden oder aber auch völlig harmlos sein.

 Die klassischen Beschwerden sind:

  • Eine rötliche bis braune Verfärbung des Urins. Diese wird durch Blut im Urin verursacht. Die Betroffenen empfinden dabei in der Regel keine Schmerzen.
  • Bauchschmerzen oder Schmerzen in der Flanke. Diese Beschwerden entstehen vornehmlich unterhalb des Rippenbogens.
  • Unspezifische Beschwerden wie hoher oder niedriger Blutdruck, Muskel und Knochenschmerzen, Husten, Fieber und Müdigkeit.
  • Durch den Tumor hervorgerufene Blutarmut. Das bedeutet, dass entweder die Anzahl der Zellen am gesamten Blutvolumen oder die Anzahl der roten Blutkörperchen verringert ist.
  • Lymphknotenschwellungen oder Ödeme in den Beinen.

Ein wichtiges Indiz bei Männern für eine Nierenkrebserkrankung ist das Neuentstehen einer Krampfader im linken Hodensack.

DiagnosevonNierenkrebs

Deuten die Symptome auf ein mögliches Nierenkarzinom hin, so stehen dem Arzt verschiedene Diagnoseverfahren zu Verfügung. Die Basisdiagnostik umfasst unter anderem:

  • die Anamnese, in der die gesundheitliche Vorgeschichte des Patienten im Bezug auf die aktuellen Krankheitssymptome eingeordnet wird, 
  • eine körperliche Untersuchung,
  • eine Urinuntersuchung, um Blut im Urin festzustellen.

Besteht der Verdacht, dass ein Nierentumor vorliegen könnte, ist der endgültige Nachweis jedoch nur mit bildgebenden Verfahren zu gewährleisten. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Die Röntgenuntersuchung der Harnwege, die sogenannte Urographie, mit der ein Ausscheidungsurogramm erstellt wird. Die Erstellung einer Übersicht über die gesamten Ausscheidungsorgane erfolgt in einem ersten Schritt über die intravenöse Verabreichung eines jodhaltigen Kontrastmittels. Daraufhin wird eine zielgerichtete Röntgenaufnahme erstellt, um die Funktion der Nieren zu überprüfen.
  • Die Ultraschalluntersuchung, die sogenannte Sonografie der Nieren, um körperliche Veränderungen zu diagnostizieren.
  • Die Kernspintomografie (MRT) und die Computertomografie mit Kontrastmittelgabe.

DieTherapievonNierenkrebs

Die Wahl der Therapie wird anhand der spezifischen Diagnose festgelegt. Diese hängt insbesondere vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und der Ausbreitung des Nierenkrebses ab. Die Prognose eines Heilungserfolges hängt demnach sehr stark vom Stadium der Erkrankung ab. Am besten ist die Vorhersage eines positiven Erkrankungsverlaufs, je früher der Tumor erkannt wird. In diesem Anfangsstadium ist der Nierenkrebs meistens noch sehr klein und hat noch keine Metastasen gebildet. Dem behandelten Arzt stehen unter anderen folgenden Behandlungsmethoden zur Verfügung:

  • Die Operation, also das vollständige Entfernen des tumortragenden Gewebes. Dies wird als die Standardbehandlung angesehen. In vielen Fällen ist nur eine Niere betroffen, sodass die funktionsfähige Niere die fehlende Niere des Patienten vollständig ersetzen kann.
  • Die Strahlentherapie bietet bei einem metastasierten Nierenkarzinom, wenn bereits umliegende Organe betroffen sind, eine sinnvolle Ergänzung zur Operation.
  • Des Weiteren sind Krebsmedikamente wie der Wirkstoff Bevacizumab, die zielgerichtet die Krebszellen angreifen und ihr Wachstum hemmen, induziert.
  • Die Immuntherapie ist eine zusätzliche Therapie, die das Ziel verfolgt das Immunsystem anzuregen und so die körpereigene Abwehr gegen das bösartige Gewebe zu richten.
  • Die Chemotherapie kann ebenfalls bei Nierenkrebs eingesetzt werden. Die Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass nur ca. ein Viertel der behandelten Patienten auf diese Therapie anspricht.

VerlaufundVorbeugen

Nach der Diagnose des Nierenkrebses beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate insgesamt etwa 50 %. Das bedeutet, dass der Anteil der überlebenden Betroffenen fünf Jahren nach der Diagnose 50 % des erwarteten Anteils der Überlebenden der Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts ohne die Diagnose Nierenkrebs entspricht. Dabei hängt die relative Überlebensrate von den Stadien der Erkrankung ab. Ist der Tumor lokal begrenzt, so ist die relative Überlebensrate 70-80 %. In besonders schweren Fällen, wenn bereits Fernmetastasen vorliegen, beträgt die Überlebensrate weniger als 10 %.

Die Möglichkeit des Einsatzes vorbeugender Maßnahmen gegen Nierenkrebs ist leider eingeschränkt. Das resultiert daraus, dass nur schwer feststellbar ist, welche spezifische Ursache der Erkrankung zugrunde liegt. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung und genügend Bewegung sich positiv auf die Erkrankungswahrscheinlichkeit auswirkt. Dagegen ist die Schädigung der Zellen z. B. durch Sonnenlicht und/oder chemische Substanzen zu vermeiden. Auch die Vermeidung des übermäßigen Konsums von Alkohol und Zigaretten sowie von Übergewicht kann das Risiko an Nierenkrebs zu erkranken verringern.        

Wenn Sie weitere Fragen haben oder einen Untersuchungstermin wünschen, sprechen Sie uns gerne an.

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