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Nierensteine

DieNieren

Die Nieren sind eines der wichtigsten Stoffwechselorgane des Körpers. Sie entgiften den Körper, indem sie die unterschiedlichsten Schadstoffe aus dem Blut filtern und über das Harnsystem abführen. Neben der Ausscheidung von Endprodukten des Stoffwechsels sind sie für die Regulation des Wasserhaushaltes und damit auch für die langfristige Regulation des Blutdrucks verantwortlich.

Die Filtrierleistung dieses Organs ist beeindruckend. Die Nieren durchfließen täglich ca. 1800 Liter Blut, aus denen 180 Liter Primärharn produziert wird, welcher am Ende auf weniger als 2 Liter Endharn konzentriert wird. Die Niere besitzt die Form einer Bohne, an deren Außenseite die Nebenniere aufsitzt. Umgeben ist sie von einem Fettgewebskörper aus Bauchfett. 

WassindNierensteine?

Nierensteine oder auch Nierengrieß genannt sind harte Steine, die sich aus Stoffen des Urins auskristallisieren. Sie bilden sich in der Niere. Der Prozess der Kristallisation wird im Regelfall durch natürliche Gegenspieler im Urin verhindert. Gelingt dieser Vorgang nicht, bilden sich kleine Kristalle, die im Normalfall über den Urogenitaltrakt mit dem Urin ausgeschieden werden. Im schlechten Fall, wenn die Kristalle nicht ausgeschieden werden, dienen sie als Kristallisationskeim. Dieser ist die Grundlage für die Bildung eines Nierensteins.

Diese Steine sind in der Regel so groß wie ein Reiskorn. Sie können aber bis zu einer Größe von mehreren Zentimetern anwachsen und das gesamte Nierenhohlsystem ausfüllen. Die Nierensteine können unterschiedliche chemische Zusammensetzungen haben. Sie bestehen aber zu überwiegenden Teilen aus Salzen. Bei der Zusammensetzung der Nierensteine werden vier Arten und deren Vorkommen unterschieden:

  • Kalziumhaltige Steine, ca. 70-80 % der Nierensteine
  • Harnsäuresteine (Utralsteine), ca. 15 %
  • Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine, ca. 10 %
  • Zystin- und Xanthin-Steine, ca. 2 % 

Neben der Klassifikation nach der chemischen Zusammensetzung werden Nierensteine nach der Form beurteilt und eingeteilt. Das Auftreten von Nierensteinen in der Niere wird Nephrolithiasis genannt. Wandern die Steine weiter in den Harnleiter und verengen ihn spricht der Mediziner von einer Harnsteinerkrankung, der Urolithiasis. Erst in diesem Stadium verursachen Nierensteine Schmerzen.

UrsachenundRisikofaktorenfürNierensteine

Nierensteine sind in Deutschland die häufigste Nierenerkrankung. In etwa 5 % der Deutschen sind davon betroffen. Statistisch betrachtet muss also jeder 25. Deutsche damit rechnen, mindestens einmal im Leben von Nierensteinen betroffen zu sein. Häufig erkranken Erwachsene zwischen 20 und 50 Jahren an Nierensteinen, wobei mehr Männer als Frauen betroffen sind.

Zu den möglichen Ursachen für die Bildung von Nierensteinen gehören unter anderem die genetische Prävalenz, eine falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und Stoffwechselerkrankungen sowie die Zusammensetzung des Urins.

Studien zur Häufigkeit des Auftretens von Nierensteinen innerhalb der Familie legen die Vermutung nahe, dass genetische Vererbung eine Rolle bei der Entstehung von Nierensteinen spielt. Nicht endgültig bestätigt ist die Vermutung, dass anstatt genetischer Faktoren die Vererbung von Ernährungsgewohnheiten der Eltern auf ihre Kinder für das gehäufte Auftreten verantwortlich ist. Bestimme Ernährungsgewohnheiten, wie der übermäßige Konsum von Milch und Milchprodukten, erhöhen den Kalziumgehalt im Urin und stehen im Verdacht die Entstehung von Nierensteinen zu fördern.

Zu diesen Lebensmitteln werden auch fettes Fleisch und Innereinen gezählt, die die Menge an Purin und Harnsäure erhöhen. Die Folge dieser einseitigen Ernährung kann die Bildung von Harnsäuresteinen begünstigen. Aber auch Nahrungsergänzungsmittel, die Kalzium und Vitamin D sowie Nahrungsmittel wie Spargel, die dem Körper Wasser entziehen, können eine mögliche Ursache sein.

Des Weiteren wird bestimmten Medikamenten wie Azetalzolamid, Sulphonamide, Triamteren und auch Indinavir eine Mitschuld an der Neubildung von Nierensteinen zugerechnet. Der Faktor Übergewicht scheint ebenso eine Rolle einzunehmen, wie das wiederholte Auftreten von Harnwegseffekten.                 

Eine schlechte Zusammensetzung des Urins und damit die Übersättigung des Harns mit steinbildenden Substanzen kann folgende Ursachen haben:

  • Die vermehrte Ausscheidung steinbildender Substanzen (wie Kalzium, Phosphat, Oxalat, Harnsäure) und verminderte Ausscheidung nicht-steinbildender Substanzen (Magnesium, Citrat).
  • Die erhöhte Urinkonzentration aufgrund geringer Flüssigkeitszufuhr oder aufgrund von Austrocknung (starkes Schwitzen)
  • Die Störungen des Kalziumstoffwechsels, zum Beispiel aufgrund einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen 
  • Störungen des Harnsäurestoffwechsels mit vermehrter Harnsäureausscheidung, 
  • Ein Urin mit einem pH-Wert von weniger als 5,5 (bei Harnsäuresteinen) oder mehr als 7,0 (bei Phosphatsteinen)

SymptomevonNierensteinen

In den meisten Fällen haben die Nierensteine eine Größe bei der sie mit dem Urin ausgeschieden werden. Sie verursachen dabei keinen oder nur einen stechenden Schmerz, der danach nicht mehr auftritt. Erst wenn sie eine kritische Größe erreicht haben verursachen sie stärkere und wiederkehrende Schmerzen.

Ein erstes Anzeichen für Nierensteine ist ein starkes Schmerzempfinden, das sich innerhalb einer halben Stunde immer weiter steigern kann, bis es nicht mehr auszuhalten ist. Es muss dabei nicht lokal begrenzt sein, sondern kann in verschiedene andere Körperteile ausstrahlen. Die krampfartigen Schmerzen der Nierenkolik (krampfhafte Kontraktionen der Glatten Muskulatur) treten meistens in wellenförmigen, wehenden und stechenden Phasen auf. Sie beginnen in den Flanken und strahlen in den Rücken und den Unterbauch aus.

Begleitsymptome können unter anderem Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen sowie Schweißausbrüche, Fieber und Schüttelfrost sein. Auch Blut im Urin, als Folge von Verletzungen der Schleimhaut in den Harnwegen, kann bei einer Nierenkolik auftreten.

Hat der Nierenstein die Harnblase erreicht verschwinden die Beschwerden so spontan, wie sie erschienen sind. Die Geschwindigkeit, mit der die Nierensteine in die Harnblase wandern, hängt von der Größe des Steines ab. Die Kolik kann nach einigen Minuten vorbei sein, aber auch bis zu mehreren Stunden andauen. 

DiagnosevonNierensteinen

Wie fast jede Untersuchung beginnt die Ursachenforschung mit der Anamnese. Diese kann z.B. Hinweise auf Nierensteine in der Familie geben. Die eigentliche Diagnose stellt der Facharzt mit Hilfe von bildgebenden Verfahren. Zu diesen gehören:

  • Die Ultraschalluntersuchung des Urogenitaltrakts, die die gängige Methode zur Diagnose von Nierensteinen darstellt.
  • Die Blutuntersuchung, bei der das Blut des Patienten im Labor auf den Gehalt an Kalzium, Phosphat, Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure überprüft wird. Anhand der Ergebnisse werden Rückschlüsse auf die Funktionsfähigkeit der Nieren gebildet.
  • Die Urinuntersuchung überprüft, ob Blut im Urin vorhanden ist. Die Ursache dieses Befundes kann eine Verletzung der Schleimhaut des Harnleiters sein.
  • Die Röntgenuntersuchung stellt die Anzahl, Größe und Lage der Nierensteine fest. Dazu wird ein Kontrastmittel intravenös verabreicht.
  • Die Computer-Tomografie.

Der Patient sollte zur Analyse der Nierensteine beim Wasserlassen ein Sieb verwenden, um die Steine oder einzelne Teile davon aufzufangen. Die Laboruntersuchung kann einen Aufschluss darauf geben, welche Art von Nierenstein vorliegt bzw. wie dessen chemische Zusammensetzung ist. Dies dient einerseits der gezielten Behandlung der Nierensteine als auch andererseits der entsprechenden Vorbeugung gegen eine Neubildung.

TherapievonNierensteinen

Je nachdem welche Größe und Begleitsymptome die Nierensteine aufweisen empfiehlt sich eine konservative oder eine operative Behandlung. In etwa 80 Prozent gehen die kleinen Steine von allein ab. 

Die konservative Behandlung umfasst unter anderen folgenden Maßnahmen:

  • Reichliche Flüssigkeitsaufnahme (2,5 bis 3 Liter pro Tag), am besten Wasser 
  • Wärmeanwendungen und leichte Bewegung, wie Tanzen 
  • Wenig purinreiche Lebensmittel wie Innereien und ein eingeschränkter Fleischkonsum 
  • Stattdessen eine kochsalzarme Ernährung mit viel Gemüse und Früchten
  • Wenig Milch und Milchprodukte 
  • Krampflösende und schmerzstillende Medikamente bei einer akuten Nierenkolik

Die operative Behandlung ist dann notwendig, wenn ein spontaner Abgang des Nierensteins nicht erfolgt. Sie umfasst unter anderen folgenden operative und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten:

  • Litholyse: Auflösen des Nierensteins durch spezielle Substanzen, die oral eingenommen oder durch einen Katheter zugeführt werden. 
  • Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie: (Druck-)Stoßwellen, die die Nierensteine zertrümmern. Die Teilstücke haben daraufhin die Möglichkeit spontan abzugehen. (keine Verletzung von Gewebe notwendig) 
  • Ureterorenoskopie: Überwiegend bei Harnleitersteinen angewendet

VerlaufundVorbeugen

Nierensteine können immer wieder neu auftreten. Ungefähr jeder 2. Patient erlebt innerhalb von 10 Jahren eine erneute Nierensteinbildung. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit der vorbeugenden Maßnahmen. Für den Erfolg der Verhinderung der Neubildung von Nierensteinen ist die Umstellung der Ernährung der entscheidende Baustein.

In Anlehnung an die Ernährungsvorschläge der konservativen Behandlung sind die Maßnahmen mit dem jeweiligen Facharzt abzustimmen. Die Laboranalyse der chemischen Zusammensetzung des Nierensteins bildet dabei eine Entscheidungsgrundlage für die Ernährungsumstellung.

Wenn Sie weitere Fragen haben oder einen Untersuchungstermin wünschen, sprechen Sie uns gerne an.

Medizinische Hochschule Hannover (MHH) | Klinik für Urologie und Urologische Onkologie
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